Ratgeber · Zahnerhalt

Ist eine Wurzelbehandlung schmerzhaft?

Dr. med. dent. Laura Salem

Von Dr. med. dent. Laura Salem

Zahnärztin · Zahnmedizin Traar · 6 Min. Lesezeit

Eine Wurzelbehandlung wird heute unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist während des Eingriffs für die meisten Menschen gut erträglich. Der Schmerz, den viele fürchten, kommt in der Regel von der Entzündung vor der Behandlung, nicht von der Behandlung selbst. Dieser Ratgeber räumt mit dem alten Ruf auf und erklärt, was Sie wirklich erwartet.

Beratungsgespräch vor einer Wurzelbehandlung in der Praxis Dr. Salem in Krefeld-Traar
Der Ruf der Wurzelbehandlung stammt aus einer Zeit mit anderen Möglichkeiten.

Auf einen Blick

  • Die Wurzelbehandlung selbst erfolgt unter lokaler Betäubung und ist meist gut erträglich.
  • Die starken Schmerzen entstehen oft vorher, durch die Entzündung im Zahn.
  • Nach der Behandlung kann der Zahn einige Tage empfindlich sein oder leicht drücken.
  • Ziel ist der Erhalt des eigenen Zahns, der sonst gezogen werden müsste.
  • Ob der Zahn erhaltungswürdig ist, entscheidet sich nach einer Untersuchung.
  • Eine unbehandelte Entzündung verschwindet nicht von selbst und kann sich ausbreiten.

Woher kommt der schlechte Ruf?

Kaum eine Behandlung ist so gefürchtet wie die Wurzelbehandlung. Dieser Ruf hat einen historischen Kern: Früher waren die Möglichkeiten der Betäubung und der Technik begrenzter, und der Eingriff konnte unangenehm sein. Dieses Bild hat sich über Generationen weitervererbt, oft als Erzählung von Eltern und Großeltern.

Die Realität heute sieht anders aus. Der Zahn und das umliegende Gewebe werden vor dem Eingriff örtlich betäubt, sodass Sie während der Behandlung in der Regel keinen Schmerz spüren. Was viele als schmerzhaft erinnern, ist oft die Zeit davor, als der Zahn wegen der Entzündung pochte und jede Berührung wehtat. Die Behandlung beendet diesen Zustand, sie verursacht ihn nicht.

Was ist eine Wurzelbehandlung überhaupt?

Eine Wurzelbehandlung, fachlich Wurzelkanalbehandlung, ist die Reinigung und der Verschluss der Kanäle im Zahninneren, wenn das dortige Gewebe entzündet oder abgestorben ist. Im Inneren jedes Zahns liegt ein feines Gewebe aus Nerven und Gefäßen, die Pulpa. Dringen Bakterien bis dorthin vor, meist über tiefe Karies oder einen Riss, entzündet sich dieses Gewebe.

Diese Entzündung ist der Grund für die oft heftigen Schmerzen, die manche Menschen zur Behandlung bringen. Ist die Pulpa erst betroffen, heilt sie nicht von selbst. Ohne Behandlung breitet sich die Entzündung über die Wurzelspitze in den Kiefer aus. Die Wurzelbehandlung entfernt das entzündete Gewebe, reinigt und desinfiziert die Kanäle und verschließt sie dicht. So lässt sich der Zahn in vielen Fällen erhalten.

So läuft eine Wurzelbehandlung ab

Der Ablauf nimmt vielen die Angst, weil klar wird, dass jeder Schritt kontrolliert erfolgt:

  1. Diagnose. Der Zahn wird untersucht, oft mit einer Röntgenaufnahme, um die Entzündung und den Verlauf der Kanäle zu beurteilen.

  2. Betäubung. Zahn und Umgebung werden örtlich betäubt. Erst wenn die Betäubung sicher wirkt, geht es weiter.

  3. Reinigung der Kanäle. Das entzündete Gewebe wird entfernt, die Kanäle werden vorsichtig gereinigt, geformt und desinfiziert.

  4. Füllung. Sind die Kanäle sauber, werden sie dicht gefüllt, damit keine Bakterien zurückkehren. Das geschieht je nach Fall in einer oder mehreren Sitzungen.

  5. Versorgung. Der Zahn wird stabil verschlossen. Weil er danach spröder werden kann, ist manchmal eine Krone zum Schutz sinnvoll.

Zwischen den Schritten fragen wir immer wieder nach, wie es Ihnen geht. Sie sind der Behandlung nicht ausgeliefert, Sie behalten die Kontrolle.

Tut es nach der Behandlung weh?

Ehrlich gesagt: Ein leichtes Nachziehen ist normal. In den ersten Tagen nach der Behandlung kann der Zahn empfindlich auf Druck reagieren oder sich fühlen, als würde er leicht drücken. Das liegt daran, dass das Gewebe rund um die Wurzelspitze auf den Eingriff reagiert. In der Regel lässt das nach kurzer Zeit nach, und rezeptfreie Schmerzmittel helfen bei Bedarf über die erste Zeit.

Sollten die Beschwerden stärker werden statt schwächer, melden Sie sich bei uns. Wie Ihr Verlauf genau aussieht, lässt sich vorher nicht mit Sicherheit sagen, denn jeder Zahn und jede Entzündung ist anders. Eine Garantie auf einen völlig beschwerdefreien Verlauf gibt es in der Medizin nie.

Wurzelbehandlung oder Zahn ziehen?

Manche fragen sich, ob es nicht einfacher wäre, den Zahn gleich ziehen zu lassen. Ein ehrlicher Vergleich:

WegVorteilNachteil
Wurzelbehandlungeigener Zahn bleibt erhalten, kein Ersatz nötigaufwendiger, Erfolg nicht garantiert
Zahn ziehen ohne Ersatzschnell, günstigLücke, Nachbarzähne können wandern
Zahn ziehen mit Ersatz (Implantat/Brücke)feste Lösungzusätzlicher Eingriff und Kosten

Der eigene Zahn ist durch nichts vollständig zu ersetzen. Deshalb ist der Erhalt meist das Ziel, wenn der Zahn erhaltungswürdig ist. Ob das in Ihrem Fall so ist, hängt vom Ausmaß der Schädigung ab und lässt sich erst nach einer Untersuchung beurteilen.

Häufige Fragen zur Wurzelbehandlung

Spüre ich während der Wurzelbehandlung Schmerzen?

In der Regel nicht. Der Zahn wird vor dem Eingriff örtlich betäubt. Sollten Sie trotz Betäubung etwas spüren, sagen Sie Bescheid, dann wird nachbetäubt. Die meisten Menschen empfinden die Behandlung als gut erträglich.

Warum tut der Zahn vor der Behandlung so weh?

Weil das Gewebe im Zahninneren entzündet ist. Diese Entzündung erzeugt oft einen pochenden, starken Schmerz, der bei Wärme oder Druck zunimmt. Die Wurzelbehandlung beseitigt genau diese Ursache.

Wie lange habe ich nach der Behandlung Beschwerden?

Meist ist der Zahn einige Tage lang empfindlich oder drückt leicht. Das lässt in der Regel bald nach. Werden die Beschwerden stärker statt schwächer, sollten Sie sich melden.

Ist der Zahn nach der Behandlung tot?

Der Zahn hat danach kein lebendes Nervgewebe mehr, bleibt aber funktionsfähig im Kiefer verankert und kann normal kauen. Weil er spröder werden kann, ist manchmal eine Krone zum Schutz sinnvoll.

Kann ich die Behandlung hinauszögern?

Davon ist abzuraten. Eine Entzündung im Zahn verschwindet nicht von selbst und kann sich in den Kiefer ausbreiten. Einen entzündeten Zahn aussitzen zu wollen, macht es fast immer schlimmer.

Ihr nächster Schritt

Die Angst vor der Wurzelbehandlung ist verständlich, aber der Ruf ist überholt. In unserer Praxis in Krefeld-Traar nehmen wir uns Zeit, Ihnen jeden Schritt zu erklären, und behandeln so schonend wie möglich. Mehr zum Ablauf und zum Zahnerhalt lesen Sie auf unserer Seite zur Wurzelbehandlung. Wenn die Angst vor dem Zahnarzt tiefer sitzt, ist unsere Seite zur Behandlung von Angstpatienten für Sie da.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung oder Untersuchung. Ob und in welchem Umfang eine Behandlung für Sie infrage kommt, klären wir in einem persönlichen Termin.